Social Media: Wo Content König und der User seine Königin ist

4 Feb
2012

Marko Lange hat mich durch seinen Artikel “Vom Social Media Management zum Social Resonance Management” im talkabout Blog zum nachdenken angeregt und ich habe diese Gedanken einfach mal in diesem Artikel niedergeschrieben.

Social Media

Es heißt, wenn sich ein Unternehmen entschließt in Social Media einzusteigen, bedeutet das zugleich immer auch einen gewissen Kontrollverlust der eigenen Unternehmenskommunikation in Kauf zu nehmen. Genauer genommen ist das so aber nicht ganz richtig. Eigentlich ist jedes Unternehmen (je nach Bekanntheitsgrad mal mehr, mal weniger) diesem gewissen Kontrollverlust unterworfen – egal ob es nun in Social Media aktiv ist oder nicht. Der Kontrollverlust beginnt nämlich nicht erst mit dem bewussten Einstieg des Unternehmens in Social Media, sondern bereits ab dem Zeitpunkt an dem die User anfangen, über dieses Unternehmen zu sprechen. Social Media ist nicht etwas, das je nach belieben eingesetzt und wieder abgesetzt werden kann. Es ist fester Bestandteil des Internets, es ist das echte Leben das immer und ständig präsent ist. Einen kompletten Kontrollverlust hingegen erleidet ein Unternehmen, wenn es nicht auf diese Entwicklung reagiert und spätestens dann im Mitmach-Internet aktiv wird wenn darüber gesprochen wird. Nur dann besteht eine Chance, Einfluss zu nehmen wie und was über das Unternehmen gesprochen wird. So gesehen gibt es für Unternehmen nur einen Weg: Den nach vorne in die Sozialen Medien. Ich möchte das mal so verdeutlichen: Das Unternehmen ist wie ein Bauer und Social Media ist sein Feld. Was passiert, wenn der Bauer sein Feld nicht bestellt und sich nicht darum kümmert? Es verwildert – das ist der genannte totale Kontrollverlust. Alles Mögliche wächst auf diesem Feld, nur nicht das was eigentlich sollte. Bestellt der Bauer aber sein Feld, besteht natürlich immer noch die Gefahr, dass hier etwas wächst was nicht erwünscht ist, aber dass ist absolut kontrollierbar.

Unternehmen, die den Schritt hin zu einem Social Media Engagement wagen, müssen Social Media zwingend als Teil Ihrer Unternehmenskommunikation begreifen und nicht den Fehler machen und Social Media als separater Kanal verstehen. Es gibt nicht “den” sozialen Content. Content aus allen möglichen Kanälen wie z.B. Print, Radio, TV usw. findet zwangsläufig seinen Weg in die Sozialen Medien sobald es den Menschen beschäftigt – ob man will oder nicht. Das Internet ist ja kein abgeschirmter Raum der für sich existiert. Und Social Media wirkt hier wie ein Katalysator, sowohl für Positives als auch oder vor allem für Negatives. Durch die Veränderung des Internets, weg von einem Monolog hin zu einem Dialog, haben sich die Machtverhältnisse verschoben. Unternehmen kommunizieren nicht mehr von oben herab sondern stehen auf einer Stufe mit ihren “Stakeholdern” (also den Usern die sich an dieser Kommunikation beteiligen) – und diese wissen von Ihrer Macht und nutzen diese auch. Früher haben Unternehmen in den Wald schreien können ohne wirklich Feedback zu erhalten. Heute erhält ein Unternehmen schnell und direkt Resonanz auf das, was es und wie es kommuniziert in Form von Forenbeiträgen, Bewertung, Facebook-Kommentaren, Tweets usw. Kommunikation auf gleicher Stufe zwischen Unternehmen und Stakeholder, ist aber nicht etwas, dass nur im Internet stattfinden sollte. Denn wie schon erwähnt, findet jeglicher Content seinen Weg ins Netz – Social Media ist das echte Leben. Für Unternehmen ist es wichtig authentisch zu bleiben und das geht nicht, wenn auf verschiedenen Kanälen in unterschiedlicher Art kommuniziert wird. Authentizität schafft Glaubwürdigkeit und diese ist essenziel für ein erfolgreiches Social Media Engagement.

Natürlich ist Content wichtig in Social Media. John Munsell von Bizzuka hat mal gesagt “If content is King, then conversation is Queen”. Ich würde es etwas anders formulieren, wobei die Aussage die gleiche bliebt. Content ist immer noch König aber daneben gibt es noch eine Königin namens Stakeholder (User) – und ein König ist nichts ohne seine Königin. Content allein ist wertlos, wenn dieser nicht richtig oder gar falsch kommuniziert wird. Damit beides zu einem erfolgreichen Social Media Engagement führt, muss das Unternehmen über allem authentisch sein, sprich die Art der Kommunikation sollte sich nicht nur auf Social Media beschränken – was nichts Anderes ist, als die Rückbesinnung auf alte Werte, nämlich den Kunden in den Mittelpunkt stellen und Ihm das Gefühl geben, er sei etwas Besonderes – was er ja auch ist. Deswegen funktioniert Social Media gerade für kleine Unternehmen und für Existenzgründer so gut. Sie haben diese Nähe zum Kunden noch in Ihrem Unternehmensalltag und somit ist es für Sie nicht schwer diese auch in Ihrer Social Media Kommunikation aufzugreifen. Zudem gibt es bei Ihnen noch keine gefestigten Strukturen die erst mal niedergerissen werden müssen. Social Media bedeutet schlicht eine Veränderung der Denkweise eines Unternehmens. Weg vom Ich-Gedanken hin zu einem Wir-Verständnis. Die Beharrungskräfte in konservativen Unternehmen sind oft extrem stark. Diese zu lösen, um die richtige Basis für ein erfolgreiches Social Media Engagement zu schaffen ist die größte Hürde für diese Unternehmen. Kleine Unternehmen und für Existenzgründer haben hier definitiv einen “Denk”-Vorsprung.

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Machtverschiebung im Internet bewirkt, dass sich die Unternehmen heute mit den Stakeholdern an einem Tisch wieder finden. Diese Entwicklung zwingt Unternehmen dazu Ihre Kommunikation zu verändern und sorgt dafür, dass die Qualität der Kommunikation steigt. Die öffentliche Kommunikation zwischen Unternehmen und Stakeholder hat für beide Seiten Vorteile – es ist ein Geben und Nehmen von dem beide Seiten profitieren. Der Stakeholder profitiert vor allem dadurch, dass die Kommunikation persönlicher wird. Er rückt stärker in den Mittelpunkt und erhält mehr Wertschätzung. Die Unternehmen profitiert von Empfehlungen wie z.B. Produktbewertungen. Sie binden die Stakeholder (das können User aber auch Kunden sein) stärker an Ihr Unternehmen durch die gesteigerte Wertschätzung in der Kommunikation. Zudem können Unternehmen die direkte Kommunikation sehr gut nutzen um den Markt zu beobachten z.B. bei einer Produkteinführung.

Social Media ist klasse! Der Punkt ist der, der falsche Content richtig kommuniziert, ändert auch nichts an der Tatsache, dass er falsch oder deplaziert ist und nur bedingt Erfolg haben wird oder sogar nach hinten losgehen kann (Shitstorm). Genauso ist es aber auch, wenn der richtige Content schlecht kommuniziert wird. Content und Kommunikation bilden ein Tandem, welches nur dann nur funktioniert wenn das Unternehmen authentisch Auftritt. Und für mich extrem wichtig – Authentizität sollte nicht Teil einer Strategie sein, sondern Bestandteil der eigenen Corporate Identity. Unternehmen die sich trauen Social Media ernsthaft in Ihre Unternehmenskommunikation zu integrieren, haben ein Instrument an Hand wechles, clever und kreativ eigesetzt, ungeahnte Möglichkeiten und Reichweiten schaffen kann.

Kommentar hinterlassen

You must be Anmelden zu einen Kommentar zu hinterlassen.